Die über hundertjährige Molkereigeschichte in Usseln
Die Usselner Molkerei blickt auf eine ungewöhnliche und wechselvolle Geschichte zurück: 1898 schlossen sich 35 Landwirte im Upland zu einer Genossenschaft zusammen. Mit Ochsen- und Pferdegespannen wurde damals täglich 500 l Milch von Bauernhöfen in Usseln und den umliegenden Dörfern an die "Upländer Gebirgsmolkerei" geliefert.
Fusionen mit kleineren Nachbarmolkereien führten zu Wachstum. Die Milchanlieferung überstieg irgendwann die Verarbeitungskapazitäten, ein großer Teil der Milch musste an andere Molkereien verkauft werden. Mit den Milchwerken Köln/Wuppertal ("Tuffi") wurde zunächst ein Liefervertrag, später ein Kooperationsvertrag geschlossen, der dann 1994 in eine Fusion der beiden Molkereien mündete. Ein Jahr später wurde die Molkerei in Usseln geschlossen und die Milch der 290 Landwirte zu anderen Molkereien gefahren.
Hier wäre die Geschichte normalerweise schon zuende, fängt aber hier eigentlich erst an:
In dieser Zeit waren nämlich Bäuerinnen und Bauern, die ihre Höfe nach ökologischen Richtlinien bewirtschaften, auf der Suche nach einer Verarbeitungsstätte für ihre Milch. Einige von ihnen hatten bereits Erfahrungen gesammelt, ihre Biomilch in einer Molkerei separat verarbeiten zu lassen und selbst zu vermarkten.
Die Gruppe der Landwirte gründete gemeinsam mit Umweltschützern, Privat- und Geschäftsleuten die Upländer Bauernmolkerei GmbH. Mit Unterstützung der Gemeinde Willingen und des Landes Hessen wurde die Molkerei erworben und nach Renovierung und Instandsetzung im September 1996 wieder in Betrieb genommen.
Anfangs lieferten 18 Landwirte eine Jahresmenge von 1 Million Liter Biomilch. Zur Auslastung der Anlagen wurde Milch von konventionellen Bauernhöfen aus der Region zugekauft und separat verarbeitet. Inzwischen ist die Biomilchmenge auf 18 Mio. Liter pro Jahr angestiegen. Über 20 Arbeitsplätze konnten neu geschaffen werden. Die Zahl der Biomilch - Lieferbetriebe beträgt jetzt 95.
Verbraucherinnen und Verbraucher werden durch verschiedene Aktivitäten angesprochen. Das Bio-Schulmilch-Projekt, die Milch ohne Gentechnik und das Projekt Erzeuger-Fairmilch vermitteln Hintergrundwissen und Verständnis für die Herkunft der Lebensmittel und die Situation der heimischen Landwirtschaft. Das Milchmuhseum mit seinen vielfältigen Angeboten wie z.B. Milchgarten, Milch-Ralley, Milch-Wanderpfad, Käse & Wein-Abend und dem ökologischen Informationszentrum spricht Besucher aller Altersgruppen an. Ein Milchcafé und der Molkereiladen vervollständigen das Angebot.
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